Making of: Aufnahme in der HAW-Hamburg
Das Video-Ergebnis ist auch der Umstellung auf Myspace zum Opfer gefallen - vielleicht stelle ich es irgendwann nochmal woanders ein.
Wer überlegt, ein Schlagzeug aufzunehmen, dem kann folgendes vielleicht ein paar Anregungen geben ... letzten Endes ist der Sound aber absolute Geschmackssache :-)
Hintergrund
... zu der Session in der HAW Hamburg war der Vorsatz einmal in Ruhe ausprobieren zu können, wie man denn nun das Schlagzeug vernünftig abgenommen bekommt. Zusammen mit meinem langjährigen Freund Johannes Lohmann, der an der HAW Medientechnik studierte, wurde dies dann im August 2004 in die Tat umgesetzt. Eine Woche lang haben wir in Hamburg alle uns zur Verfügung stehenden Mikros ausprobiert. Ungeplanterweise kam über Florian Schmiedeberg auch noch eine Nachtsession in der SAE Hamburg während dieser Woche zu stande, was noch mehr Möglichkeiten zum Ausprobieren und Vergleichen brachte.
Unterschiede bei den Mikros
Für kleinere Live-Gigs hatte ich mir vor langer Zeit zwei AKG C1000S Kondensator Mikros gekauft. Warum gerade die? Weil ich bisher nur mit diesen Mikros vertraut war und es für mich bislang die einzigen waren, die als Overheads taugten. Und sie waren damals so gerade bezahlbar. Für kleinere Live-Gigs funktionieren die Dinger nach wie vor gut, für Studioaufnahmen jedoch möchte ich sie nicht mehr verwenden wollen! Wie unterschiedlich Mikros als Overheads klingen können hat sich mehr als deutlich in der HAW gezeigt.
Die C1000S klingen sehr hart; viele Höhen und daher im Vergleich sehr unangenehm in den Ohren auf den Genelec Monitoren der HAW. Die AKG 414 Großmembranen klingen schon viel, viel weicher und geschmeidiger und wären meine Wahl für Overheads, würde ich mir jetzt welche kaufen wollen. Dies kann sich aber schnell ändern, wenn ich noch 20 Mikros ausprobiere ... . Letztlich haben wir jedoch die 414 an die beiden Hi-Hats gestellt, da sich andere Mikros nicht so gut wie die 414 eigneten. Die DPA 4006 (die wir dann später als Overheads verwendet haben) klingen noch ein wenig runder als die 414, jedoch sind die DPAs ursprünglich als Messmikrofone ausgelegt und daher entsprechend einiges teuerer.
In der SAE Hamburg haben wir zwei Neumann U87 als Overheads genommen. Klingt im gesamten Klangbild (also mit Snare-, Bassdrummikro usw. zusammen) noch einen Hauch geschmeidiger, jedoch allein betrachtet (wenn man nur die beiden U87 hört) eigentlich schon etwas zu glatt.
Bei der Snare haben wir auch mal mit einem Shure SM58 (ist ja vom Klang so gut wie dasselbe wie ein SM57) probeweise aufgenommen. Wir fanden den Sound der Sennheiser 441 allerdings doch satter, ebenso bei den Toms im Vergleich zu den AKG C418. Bei bis mittelgroßen Live-Gigs würde ich mich mit einem SM57 an der Snare oder den C418 an den Toms einverstanden erklären. Für Studioaufnahmen gibt es jedoch auch Schöneres. Die C418 überzeugten uns dafür als Mikros für die beiden Snares von unten auf den Snare-Teppich gerichtet. In Ergänzung zu den 441 oben für uns optimal.
Bei Gelegenheit werde ich auch noch weitere Mikros ausprobieren; Es gibt sicherlich noch etliche Mikros verschiedenster Hersteller die sich mindestens genauso gut eignen. Probiert es einfach selbst aus!
Tipps für's Selbermachen
Vor der eigentlichen Aufnahme würde ich Euch empfehlen, ein bischen mit verschiedenen Mikros und auch Positionierungen zu experimentieren. Am besten ist es, wenn Ihr dies vor der eigentlichen Aufnahme ohne Zeitdruck erledigen könnt. Denn sonst läuft Euch schnell die Zeit davon und Ihr macht Euch unnötigen Stress. Die eine Woche in Hamburg verging wie im Flug! Vielleicht könnt Ihr Euch ja aus Eurem Bekanntenkreis ein paar Mikros leihen, falls Ihr selbst noch keine habt. Ihr braucht dafür ja auch nicht alle Mikros, die Ihr nachher vielleicht verwenden wollt, gleichzeitig aufnehmen. Probiert vielleicht zuerst die Overheads durch, danach die Bassdrum, Snare und Toms. Nehmt Euch Zeit und probiert die Unterschiede zwischen einzelnen Mikros nach und nach herauszuhören. Die Mikros sollten generell ohne an irgendwelchen Equalizern rumzustellen aufgenomen werden und wenn, erst später bearbeitet werden. Hier ist auch der eigentliche Lohn versteckt: Umso besser die Mikrofonauswahl, umso weniger braucht ihr nachher am Sound drehen und bearbeiten! Und ... das beste Mikrofon nützt wenig, wenn das Schlagzeug nicht gestimmt ist, denkt auch hieran.
Hier die übersicht der verwendeten Mikros mit deren amtlichen Bezeichnungen:
| Kanal | Hersteller | Mikrofontyp | Position
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| 1 | AKG | D12 | Bassdrum Schlagfell innen |
| 2 | Neumann | GFM 132 | Bassdrum innen |
| 3 | Neumann | U87 | Bassdrum vor Resoloch |
| 4 | Sennheiser | 441 | Snare 1 oben |
| 5 | AKG | C418 | Snare 1 unten |
| 6 | Sennheiser | 441 | Snare 2 oben |
| 7 | AKG | C418 | Snare 2 unten |
| 8 | AKG | 414 | Hi-Hat 1 |
| 9 | Sennheiser | 441 | Tom hoch |
| 10 | Sennheiser | 441 | Tom tief |
| 11 | DPA | 4006 | Overhead 1 |
| 12 | DPA | 4006 | Overhead 2 |
| 13 | Neumann | SM69fet | Raum 1 |
| 14 | Neumann | SM69fet | Raum 2 |
| 15 | AKG | D409 | Jamblock |
| 16 | AKG | 414 | Hi-Hat 2 |
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über die ausgewählten Mikros:
Von Johannes Lohmann:
"Drei Mikros wurden in bzw. an der Bassdrum verwendet, um sich aus diesen dann den gewünschten Sound mischen zu können.
Das D12 für den nötigen obertonlastigen Sound, die Grenzfläche um den tiefen Frequenzbereich (unter 100 Hz) abzudecken und das U87, um vom Aussenfell der Kick Drum noch die fehlenden Anteile mitnehmen zu können. Um Phasenauslöschungen vorzubeugen, wurden in Nuendo grafisch die einzelnen Spuren dieser Mikrofone verschoben, dass sich die Grundwellen konstruktiv überlagern.
An den Snaredrums wurde jeweils oben ein Sennheiser 441 verwendet, welches die hohen Schalldrücke sehr gut verarbeiten kann, einen trockenen, aber doch warmen Sound hat und durch den regelbaren Basscut am Mikrofon selbst schon im Klangeindruck einstellbar ist. Unten wurde ein AKG C418 benutzt, um den Snareteppich gut abnehmen zu können. Der brilliante Klang dieser Mikrofone ist in diesem Falle sehr förderlich.
Für die beiden Hi-Hats wurde jeweils ein AKG 414 benutzt, welches sich durch einen sehr warmen und matten Sound auszeichnet: Genau das Richtige, um an der Hi-Hat keine zu starken Höhenanteile aufzunehmen.
Die Toms wurden mit Sennheiser 441 Mikrofonen abgenommen, da sie sehr wenig übersprechung haben und mit dem Bass Cut an die jeweilige Trommel vom Klang her gut angepasst werden können.
Als Overheads dienten zwei DPA 4006 (in klein AB Stereo Aufnahmeverfahren), die den Klang schon fast zu analytisch, jedoch den der Becken extrem detailreich wiedergeben. Also für die Aufnahme gerade richtig.
Als Raummikro kam ein Sm69fet Stereo Mikro (XY Aufnahmeverfahren) zum Einsatz, welches sehr weich, aber trotzdem hochauflösend ist."
Auf den folgenden Fotos seht Ihr genau, wie die einzelnen Mikros positioniert wurden. Unter den Bildern gibt es in der Großansicht auch den ein oder anderen Kommentar von mir zur Anordnung des jeweiligen Mikros.
Zum Vergrössern der Bilder auf sie klicken.
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